Gründung im Team - Aus der Praxis für die Praxis
Gründen im Team - Chancen und Herausforderungen
"Gründen im Team" ist der Name - und Programm - des vormals geförderten NRW-und EU-Förderprojektes und war auch eine Chance für alle, die ihre Kompetenz und Selbstständigkeit auf starke Beine stellen wollten.
„In der Gemeinschaft ist es viel einfacher, als allein im stillen Kämmerlein“, diese Erfahrung haben wir alle schon einmal gemacht. Als Einzelkämpfer dreht man sich manchmal im Kreis; tauscht man sich jedoch mit anderen aus, kommen neue Impulse, Sichtweisen, Kompetenzen ins Spiel, die der Sache ganz schnell ein neues Gesicht geben und uns häufig helfen, ganz leicht aus dem Kreislauf auszusteigen.
Das Projekt "Gründen im Team" verfügt über praxisnahe Erfahrung aus fast 40 GiT-Prozessen in den letzten zehn Jahren. An dieser Stelle möchten wir Ihnen aus unserer Sicht einen Überblick über Chancen und Herausforderungen einer Teamgründung geben.
Was sind Teamgründungen?
Menschen tun sich zusammen, um Synergien zu erschließen und gemeinsam effektiver zu sein. Unter Team verstehen wir meist ein hohes Maß an Zusammenhalt und Engagement für gemeinsame Ziele aufgrund einer gemeinsamen Aufgabenstellung und -orientierung, eines gemeinsamen Arbeitseinsatzes und der gleichberechtigten Verteilung der Verantwortung. Das bedeutet, dass die Gesamtleistung des Teams über die Summe der Einzelleistungen der Partner hinausgeht. Schließen sich ein oder mehrere Partner zur Gründung eines Unternehmens zusammen, spricht man von einer Teamgründung. Dabei sollten alle Beteiligten mehr oder weniger gleichberechtigt sowohl finanziell als auch arbeitsmäßig an der Gründung beteiligt sein.
Für wen kommen Teamgründungen in Frage?
Erfolg versprechende Unternehmen benötigen gleichermaßen fachliches wie kaufmännisches Potential oder extrovertierte Unternehmertypen für die „erste Reihe“. Kaum eine Gründerin und kaum ein Gründer bringt allein alle erforderlichen Eigenschaften mit. Gründerteams gleichen hier Defizite Einzelner aus. Im Idealfall ist ein Gründerteam daher heterogen zusammengesetzt aus Spezialisten mit unterschiedlichen Kompetenzen. Dabei sollten sich die Partner in Qualifikationen, Know-how und Persönlichkeitsmerkmalen sinnvoll ergänzen. Einer der Partner sollte idealerweise kaufmännische Kenntnisse mitbringen.
Eine Teamgründung kann darüber hinaus für all die interessant sein, die das Risiko einer Selbstständigkeit lieber auf mehrere Schultern verteilt sehen. Und sie ist für diejenigen ratsam, die allein nicht die erforderliche Zeit für die Selbständigkeit haben und ein Unternehmen in Teilzeit führen möchten: Sie können sich die Zeit mit einem Partner entsprechend aufteilen. Durch die Aufteilung des Arbeitsaufwandes wird die Arbeitsbelastung des Einzelnen geringer.
Möglich ist auch, durch eine Teamgründung das notwendige Starkapital zusammenzubringen und die anfallenden Kosten zu teilen. Apropos Geld: Auch beim Geldgeber kommt ein Team mit einer ausgewogenen Mischung aus fachlicher und persönlicher Kompetenz häufig besser an als ein Einzelkämpfer. Denn im Falle, dass der eine krank wird, ist immer noch der andere im Einsatz. Und „Gemeinsam statt einsam“ macht nicht zuletzt denen Mut, die allein den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen würden.
Tipp Arbeit im Team baut auf gegenseitiges Vertrauen und eine zielgerichtete Zusammenarbeit. Klären Sie daher für sich im Vorfeld, inwieweit Sie sich selbst für eine solche Form der Zusammenarbeit geeignet fühlen.
Teampartner suchen und finden
Wer auf der Suche nach geeigneten Partnern im persönlichen und wirtschaftlichen Umfeld oder im beruflichen Netzwerk nicht fündig wird, kann sich bei der Suche nach geeigneten Gründungspartnern an die verschiedenen regionalen Gründungsinitiativen wenden. Überlegen Sie sich jedoch vorher genau: Wen suche ich? Wo suche ich? Was suche ich? Und wer bin ich, was bringe ich konkret mit ein? Das bedarf einiger Vorarbeit und auch der Auseinandersetzung mit dem eigenen „Angebot“.
Bei der Zusammenstellung eines schlagkräftigen Gründungsteams muss jedoch nicht nur die Kompetenz der einzelnen Mitglieder stimmen. Mindestens genauso wichtig ist die „Chemie“. Alle Beteiligten sollten wissen, wie der jeweils andere in Konflikt- oder Stresssituationen reagiert. Denn die Schwächen eines Teams zeigen sich häufig erst, wenn Konflikte bereits anstehen. Und so manch viel versprechende Partnerschaft scheitert im Gründeralltag an Kleinigkeiten. Je vertrauter die Gründungspartner/-innen mit den "Sonnen- und Schattenseiten" des oder der anderen sind, desto besser.
Aber auch Freundschaften sind keine Gewähr dafür, dass es auch mit der gemeinsamen Unternehmensführung klappt. Alle möglichen Konflikte sollten daher vor der Gründung ausführlich besprochen und entsprechende Lösungen vertraglich vereinbart werden. Für die Vertragsgestaltung und selbstverständlich auch für die Wahl der geeigneten Rechtsform sollten Sie auf jeden Fall einen Rechtsanwalt oder Notar hinzuziehen.
Grundlage einer Partnerschaft: Gemeinsame Ziele
Eine Teampartnerschaft hat etwas von einer Ehe: Nicht nur die Chemie muss stimmen, auch Ziele sollten die gleichen sein. Häufig besteht ein enger Zusammenhang zwischen Wertvorstellungen und Zielsetzungen einer Unternehmung. Es gibt viele verschiedene Arten von Zielen, die Partner miteinander verbinden, die ihre Gemeinsamkeit prägen und in deren Verwirklichung sie sich ergänzen können. Wichtig ist, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen, Vorstellungen und Visionen in fachlicher, wirtschaftlicher und persönlicher Hinsicht miteinander zu klären. Die Erarbeitung einer gemeinsamen Unternehmensphilosophie kann zur Klärung unterschiedlicher Wertvorstellungen beitragen und die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit schaffen. Legen Sie dann die Ziele Ihrer beruflichen Partnerschaft gemeinsam fest und überprüfen Sie von Zeit zu Zeit, ob Sie noch im gleichen Boot sitzen. Nur so können Sie dauerhaft erfolgreich – und mit Freude - dabei sein.
Teamarbeit: Wer macht was?
Teamarbeit ist nur dann wirkungsvoll, wenn im Team eine Arbeitsorganisation vorhanden ist und bestimmte Spielregeln von den Mitgliedern eingehalten werden. Ein formelles Regelwerk über den Ablauf des operativen Arbeitsalltags, die Anwesenheit bzw. Erreichbarkeit und die Formen der Kommunikation miteinander, beispielsweise wenn an verschiedenen Standorten gearbeitet wird, sollte daher im Vorfeld verabschiedet werden.
Häufig scheiden sich die Geister, weil es zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer gibt. Wichtig ist eine klare Aufgabenteilung. Klären Sie gemeinsam folgende Fragen: Wer ist für was zuständig? Wo gibt es Überschneidungen in den Kompetenzen? Wer übernimmt wann die Führung? Wann ist das ganze Team gefordert, wann ist die systematische Aufgabenbewältigung durch die Einzelpersonen sinnvoll? Was bedeutet das für die Aufgabenverteilung? Jeder im Team sollte seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden, um so den maximalen Nutzen seiner Arbeit bringen zu können. Durch die wechselseitige Übernahme fachunabhängiger Tätigkeiten, wie allgemeiner Verwaltungsaufgaben, kann zudem die Gleichwertigkeit der Mitglieder untermauert werden und die Partnerschaft beweglich bleiben.
Ein Team sollte aus maximal drei Partnern bestehen, um Entscheidungsprozesse nicht zu schwierig zu gestalten. Wie Entscheidungen für das gemeinsame Unternehmen getroffen werden und wer für welche Entscheidungen zuständig ist, sollte in jedem Fall frühzeitig festgelegt werden. Entsprechende Vereinbarungen und spätere Änderungen sollten auf jeden Fall schriftlich festgehalten werden.
Rechtsformen für Teamgründungen
Wer im Team gründet, muss sich für eine Rechtsform entscheiden. Dabei sind nicht nur steuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Mindestens ebenso wichtig sind Fragen der Haftung, der Kapitalbeschaffung oder auch des Aufwands für das Handling. Die beiden gebräuchlichsten Rechtsformen werden hier kurz vorgestellt:
Die GmbH
ist eine juristische Person mit begrenzter Haftung, d.h. es haftet grundsätzlich nur das Firmenvermögen, nicht die Gesellschafter persönlich. Jeder Gesellschafter haftet nur mit seiner Stammeinlage, insgesamt mindestens 25.000 Euro. Neben dem Kapitalrisiko ist vor allem das Produkt- und Gewährleistungsrisiko eingegrenzt, d.h. beschränkt auf das Firmenvermögen. Von der Haftungsbegrenzung ausgenommen sind Bankverbindlichkeiten (Bürgschaft), nicht abgeführte Sozialleistungen und Verbindlichkeiten mit dem Finanzamt. Es sind mehrere Gesellschafter möglich; eine Geschäftsführerregelung muss getroffen werden. Der Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden und die Gesellschaft ins Handelsregister eingetragen werden. Die Kapitaleinlage muss daher nachgewiesen werden.
Für die Gründer bedeutet das in den Anfängen zwar eine höhere finanzielle Belastung, auf Teamschultern verteilt, relativiert sich der Einsatz jedoch. Die Kreditwürdigkeit gegenüber den Bankinstituten ist ohne persönliche Haftung begrenzt, diese ist jedoch durch die Erhöhung der persönlichen Einlage steuerbar. Für GmbH liegen gelten strenge Insolvenzregelungen bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit: Innerhalb von drei Wochen hat der Geschäftsführer die Verpflichtung, Insolvenzantrag zu stellen. Dennoch gilt diese Rechtsform als sicher und gerade für die speziellen Belange von Teamgründungen
besonders geeignet.
Die GbR
ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) von natürlichen oder juristischen Personen, die sich durch einen Gesellschaftsvertrag gegenseitig verpflichten, die Erreichung eines gemeinsamen Zwecks in der durch den Vertrag bestimmten Weise zu fördern, insbesondere die vereinbarten Beiträge zu leisten. Sie tritt nach außen als eine Person auf und kann somit am Rechtsverkehr teilnehmen und hat damit Rechte und Pflichten. Für die GbR ist keine Kapitaleinlage nötig. Ein schriftlicher Vertrag ist ebenfalls nicht erforderlich, sollte aber zur Vermeidung von Streitigkeiten zu Grunde gelegt werden. Da die GbR in dem Sinne keine kaufmännische Tätigkeit ausüben darf, wird sie weder ins Handelsregister eingetragen noch kann sie unter einer Firma im juristischen Sinne auftreten. Die volle gesamtschuldnerische Haftung für alle Firmenverbindlichkeiten liegt bei den Gesellschaftern – auch mit ihrem Privatvermögen, d.h. einzelne Gesellschafter haften auch für die Fehler der Partner. Die GbR macht zwar eine schnelle, unkomplizierte und kostengünstige Gründung möglich, birgt aber ein nicht unbedeutendes Risiko für die Beteiligten.
Finanzielle Förderung von Teamgründungen
Für Gründungen im Team gibt es grundsätzlich die gleichen Fördertöpfe wie für Einzelpersonen. Dennoch bieten sich einem Gründungsteam größere Möglichkeiten. Bei der Kreditvergabe sind pro Person und Vorhaben häufig Fördergrenzen gesetzt, die den Kapitalbedarf unter Umständen unterschreiten. Bei Teamgründungen kann jedes Teammitglied für sich die Förderhöchstgrenze ausschöpfen. Spezielle öffentliche Kredite für kleine Gründungsvorhaben, die mit einer teilweisen Risikoübernahme durch das öffentliche Förderinstitut verbunden sind, können dadurch auch für größere Investitionsvorhaben genutzt werden. Weiterer Aspekt: Die Anforderungen an Unternehmen aus dem Hightech- oder Life Science-Bereich sind hoch. Kapitalintensive Vorhaben müssen daher ein kompetentes Gründungsteam vorweisen, um Kapitalgeber zu überzeugen. Nur auf diese Weise ist sicher gestellt, dass das Unternehmen über das erforderliche fachliche, unternehmerische und kaufmännisches Know-how verfügt. Wer eine Gründung im Technologiebereich anstrebt, hat im Team somit bessere Aussichten auf Förderung.
Mögliche Probleme bei Teamgründungen vermeiden
Eine Teamgründung bedarf eines höheren Aufwandes im Vorfeld: die Aufgaben und Ziele müssen gemeinsam definiert und abgesteckt werden. Wahrscheinlich wird es eine Zeit lang dauern, bis Sie sich auf die Zusammenarbeit eingestellt haben, Auffassungen, Erwartungen und Visionen abgeklärt und in den Geschäftsalltag praktikabel eingebunden sind. Das erfordert von allen Beteiligten eine große Portion Geduld - und Gelassenheit. Wer im Team gründet, braucht daher einen besonderen Blick für das Miteinander der Mitglieder - und für die Bedeutung kontinuierlicher interner Kommunikation. Wer versteht, wie ein anderer tickt und durch einen offenen Dialog in die Denk- und Verhaltensweisen des Geschäftspartners einbezogen wird, kann früher Konflikte erkennen, ansprechen und zur Lösung beitragen. Dennoch wird es hin und wieder zu Spannungen führen, andere Standpunkte zu akzeptieren und Fehlentscheidungen mit zu tragen.
Ebenso wie Vertrauen und gegenseitige Abhängigkeit gehört daher auch die konstruktive Lösung von Konflikten zu den Herausforderungen eines Gründungsteam. Zwischen den Unternehmenspartnern sollte daher eine Streitkultur wachsen, die den formalen Rahmen für denkbare Auseinandersetzungen bildet, und es ermöglicht, Differenzen auszutragen, ohne diese zu unterdrücken.
Zehn wichtige Grundsätze für Teamgründungen
1. Suchen Sie sich einen Partner, mit dem die Chemie stimmt, mit dem Sie genügend fachliche Schnittmengen und persönliche Gemeinsamkeiten haben, der Ihre Kompetenzen und Charakterzüge aber auch ergänzt und dessen Ziele mit Ihren vereinbar sind.
2. Definieren Sie gemeinsam und eindeutig, welche Ziele in fachlicher, wirtschaftlicher und persönlicher Hinsicht Sie verfolgen wollen und halten Sie diese schriftlich fest.
3. Entwickeln Sie gemeinsam eine Unternehmensphilosophie, für die Sie nach außen auch einheitlich stehen können und möchten.
4. Legen Sie klar Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche fest. Definieren Sie auch die Überschneidungen.
5. Halten Sie den Einsatz von Kompetenzen, Arbeits-, Geld- und anderen Mitteln schriftlich fest. Vereinbaren Sie dabei auch, was im Falle einer Trennung geschehen soll.
6. Schaffen Sie eine Vertrauensatmosphäre. Diese sollte nicht von blindem, sondern kritischem Zutrauen in die Leistungsstärke und Zuverlässigkeit der Partner geprägt sein.
7. Für einen effektiven Arbeitsablauf ist Transparenz im Informationsfluss unerlässlich. Bedenken Sie, was der/die Andere wissen muss, um arbeitsfähig zu sein und motiviert zu bleiben und gestalten Sie ihre interne Kommunikation teamorientiert.
8. Sprechen Sie Konflikte rechtzeitig an und lösen Sie sie gemeinsam, ggf. mit Unterstützung einer dritten, neutralen Person.
9. Reflektieren Sie von Zeit zu Zeit den Ist-Zustand und schauen Sie gemeinsam: Sind wir noch auf dem richtigen und gemeinsamen Weg?
10. Nicht nur die Arbeit zählt: Feiern Sie auch Ihre Erfolge gemeinsam.
Zusammenfassung: Anke Patt